Vom Provisorium zum modernen Sport-BH
Kategorie: Mode & SocietyKein Kleidungsstück ist so fest mit dem Begriff Weiblichkeit verbunden, wie der BH, denn er bedeckt und stützt die Brüste, die das Attribut des weiblichen Körpers schlechthin sind.
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein formten Frauen ihren Oberkörper mit Hilfe eines Korsetts. Doch es engte sehr ein und war für arbeitende Frauen völlig ungeeignet. Sie benötigten eine Stütze, die aber nicht einengte. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es deshalb eine Reihe von Erfindungen und Patenten, die dieses Problem lösen sollten.
Als eigentliche Erfinderin des BHs ist die Amerikanerin Mary Phelps-Jacobs in die Geschichte eingegangen. Sie befestigte zwei Tücher an mehreren Bändern und ließ diese Erfindung 1914 patentieren. Durch den ersten Weltkrieg mussten sehr viel mehr Frauen arbeiten, denn sie wurden als Ersatz der Arbeiter in den Fabriken gebraucht. Das und die Lockerung der Kleidung in den 20er Jahren verhalfen dem BH zu weltweitem Ruhm.
Den Feministinnen der 60er und 70er Jahre galt der BH jedoch als Symbol der weiblichen Unterdrückung durch den Mann, da er die Brüste nicht nur schützte, sondern auch in die von der Modeindustrie vorgegebenen Form zwängte. Öffentliche BH-Verbrennungen machten darauf aufmerksam. In der Folgezeit zeigten sich dann auch viele Frauen ohne BH in der Öffentlichkeit, was bis dahin völlig undenkbar war.
Doch er konnte nicht aus dem weiblichen Kleiderschrank verdrängt werden und ist heute in vielen Farben und Formen erhältlich. Da sich ein herkömmlicher BH in verschiedenen Lebenssituationen als unzureichend erwiesen hat, sind mittlerweile auch spezielle BHs entwickelt worden.
Beim Sport beispielsweise wird mehr Stütze benötigt. Den bieten spezielle Sport-BHs. Sie haben breitere Träger, die auch unter Belastung nicht einschneiden. Durch eine spezielle Schnittführung im Rücken wird der Busen gut gestützt und ist auch beim Joggen keinen starken Bewegungen ausgesetzt. Je nach Sportart gibt es BHs mit unterschiedlich starkem Halt, aber sie alle sind aus speziellen Fasern hergestellt, die Schweiß aufnehmen und sich auch nach längerer Zeit nicht feucht anfühlen.
Auch stillende Mütter benötigen einen speziellen Still-BH. Dieser hat Cups, die einzeln geöffnet werden können, so dass Frauen sich nicht komplett entkleiden müssen. Eine leichte Abpolsterung und Stilleinlagen sorgen dafür, dass austretende Milch sich nicht auf der Oberbekleidung abzeichnet.